Leserbrief zu Google und dem Methan:

Man sollte vielleicht noch erwähnen, dass Methan sowieso nur 10 Jahre in der Atmosphäre bleibt (Lebensdauer — das nimmt exponentiell ab, aber bei konstanten Emissionen hat man einfach 10 mal so viel in der Luft wie man jedes Jahr emittiert). D.h. beim Methan gibt es keine kummulative Wirkung der Emissionen, sondern es sind halt die aktuellen Emissionen, die für 10 Jahre die Erde etwas erwärmen, und dann ist wieder gut (bzw. das wird durch neue Emissionen ersetzt).

Berechnet wird der CO2-Äquivalenzwert aber so, als ob das alles dauerhaft in der Atmosphäre verbleibt. Also, die Klima-Wirkung von Methan ist 25 mal so groß, aber nur für 10 Jahre. Bei CO2 rechnet man eher mit 1000 Jahren mittlerer Lebensdauer (auch wenn da die Modelle mehr divergieren).

[Ehemaliges Nachrichtenmagazin]

30% als Angabe ist ungefähr die mittlere Lebensdauer, denn da geht man von 1/e (eulersche Zahl) als Verbleib nach dieser mittleren Lebensdauer aus.

D.h. tatsächlich wirkt langfristig gesehen CO2 viermal so viel wie Methan. Als Schulden (environmental debt). Und alle Umweltsünden muss man immer als Schulden betrachten, d.h. Wirkung*Zeit.

Wenn jetzt Google also mehr Methan eingespart hat, als sie CO2 emittiert haben, und mit dieser Schummelrechnung herumlaufen, dann haben sie knapp über 1% ihres Klimabeitrags kompensiert.

Wirken tut natürlich eine Methan-Reduzierung schneller. Und natürlich ist es viel billiger, 1% der Schulden zu bezahlen als 100%.

Update: Ein anderer Leserbrief widerspricht:

Methan hat nicht eine Klimawirkung die 1% der von CO2 entspricht, wie faelschlich behauptet, sondern eine deutlich hoehere. Die relative Wirkung haengt davon ab, welchen Zeitraum wir betrachten. Der Teil des Kommentars stimmt. Im IPCC Bericht von 2007 wird von 12 Jahren verweildauer in der Atmosphaere ausgegangen, danach bleiben indirekte Effekte, z.B. Bildung von Ozon oder Abbauprodukte von Methan. Eines der Abbauprodukte ist uebrigens CO2 mit all seiner Treibhauswirkung.

Mit diesem Wissen kann ein relatives globales Erhitzungspotential (global warming potential, GWP) von Methan relativ zu CO2 berechnet werden. Das GWP von Methan ist 72 (auf 20 Jahre gesehen), 25 (auf 100 Jahre) und 7.6 (auf 500 Jahre). [Seite 212, 84 im pdf]. Selbst auf lange Zeitraeume ist Methan also ein deutlich staerkeres Treibhausgas als CO2.

Es gibt sogar Studien, die vertreten, dass die Werte etwas hoeher sein sollten (27 - 28 auf 100 Jahre), da die indirekten Effekte unterschaetzt wurden [PDF-Link]

9/15/2020