Der Bundestag winkt mal eben eine schlechte EU-Patentrechts-Reform durch. Wieso schlecht? Na wie wäre es z.B. damit, dass man Streitigkeiten in London beilegt? London as in UK. Brexit anyone?

Aber keine Sorge, der Rest von dem Gesetz sieht auch wie üblich aus. Verkacken im Industriemaßstab.

Eine Aussprache zur 1. Lesung sparte sich der Bundestag genauso wie eine Sachverständigenanhörung.

Warum auch. Seit wann braucht man in einer Demokratie Aussprachen oder Sachverstand zur Beschlussfassung!

Alle waren dafür. Ja, auch die Linken. Nur die AfD nicht.

Aber Fefe, wenn das vereinheitlicht wird, dann sinken ja auch die Kosten um ein Bullshit-Patent zu entkernen! Win-Win!!1!

So müssten Firmen, die einen Rechtsstreit beim einheitlichen Patentgericht verlieren, die Gebühren des Gewinners zahlen. Diese beliefen sich nach vorläufigen Schätzungen auf eine feste Summe von 11.000 Euro plus einen vom Streitwert abhängigen Beitrag von bis zu 220.000 Euro.

Beste Voraussetzungen, damit ein paar tatsächlich Sachverständige die unzähligen Fehler der Patentbehörden korrekturklagen können!1!! Wieso unzählige Fehler, Fefe? Na weil das Patentamt eines Tages bemerkt hat, dass es ein Profit Center ist! Wieso würden die jemals ein Patent ablehnen, wenn sie es auch zulassen können und dann zweimal Gebühren einsacken, einmal für die Anmeldung und einmal für die Klage dagegen?

Das Patentamt hat noch kein Gebühren-Geldschein gesehen, den sie nicht mochten!

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Die CSU hat eine innovative Lösung gefunden, um Drogen endlich richtig abschreckend zu machen. Der neue Drogenbericht besteht im Wesentlichen nur noch aus Fotos der Drogenbeauftragten, einer gewissen Daniela Ludwig (CSU). CSU-Politiker will nun wirklich niemand sehen, ob drogenabhängig oder nicht.

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Seid ihr Sophos-Kunde? Weil ihr euch Sorgen macht, dass eure Daten wegkommen könnten?

Sophos notifies customers of data exposure after database misconfiguration

Ach komm, Fefe, alles bedauerliche Einzelfälle. Wie bei den Prügel- und Nazicops und den Geheimdiensten. Das kann man nicht verallgemeinern!

Packst du noch einen Trend Micro drüber! Das ist "worry free". Da muss man sich keine Sorgen mehr machen.

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Neulich machte ich mich noch darüber lustig, dass Covidioten jetzt ohne Hose rumlaufen sollten.

Stellt sich raus: Da war die Satire mal wieder schneller als die Realität (der Zeitstempel an dem Artikel ist bei denen offensichtlich verkackt). Und zwar kann man sich Covid auch von einem Furz einfangen, und der Experte sagt dazu:

„Glücklicherweise tragen wir die ganze Zeit eine Maske, die unsere Fürze bedeckt“, so Shaw. Er spielt damit auf Kleider, Hosen und Unterwäsche an - also Stoffe, die unser Gesäß in der Öffentlichkeit normalerweise bedecken. „Ich denke, was wir wegen der sozialen Distanz und unserer Sicherheit nicht in der Anwesenheit von anderen Leuten pupsen sollten - schon gar nicht mit freiem Gesäß.“

Scheiße, Bernd! Hosen sind ein freiheitsberaubendes Covid-Bekämpfungsmittel!

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Gute Nachrichten! Die Schufa schnüffelt jetzt endlich auch auf euren Kontoauszügen herum. Das Pilotprojekt läuft mit O2 und heißt "CheckNow". Wer so blöde war, da am 4. November ein Häkchen zu setzen, der hat der Schufa Spionageeinwilligung für 12 Monate erteilt.

"CheckNow" sei zweckgebunden, versichert die Schufa auf Anfrage.

Das wäre ja sonst auch ein DSGVO-Verstoß.

Nur relevante Daten würden gesichtet und auch nur kurz gespeichert.

Haha, das klingt ja fast so, als gäbe es Daten, die die Schufa nicht für relevant erachten würde! LOOOOL! Mann müssen die Leute blöde sein, wenn die Schufa mit solchen Nebelkerzen durchzukommt. Oh und das mit dem Speichern ist natürlich auch eine offensichtliche Nebelkerze. Warum sollte die Schufa das speichern, wenn die Daten bei O2 liegen und die Schufa Zugriff hat?

Falls ihr jetzt dachtet: Ach komm, das hab ich nicht angekreuzt, das betrifft mich nicht! Dann habe ich schlechte Nachrichten. Das bisher ist ohne Zustimmung. Mit Zustimmung greift die Schufa euch noch tiefer in die Tasche.

Laut der Einwilligung darf die Schufa Kontoauszüge speichern und für ihre Dienste als Auskunftei auswerten.

Ja klar, wenn ihr Deppen denen eine Einwilligung ankreuzt, dann ist das Speichern natürlich kein DSGVO-Verstoß mehr. Und die Schufa hofft inständig, dass ihr alle so blöde seid.

Zur Abrundung enden wir noch mit einem wunderschönen überspezifischen Dementi:

Auf Nachfrage betont die Schufa: "Die Testumgebung ist derzeit so gestaltet, dass selbst bei einer Zustimmung des Nutzers keine Daten gespeichert werden."

Ah, gut. Was ist mit der Produktivumgebung? Und wieso steht da "derzeit"?

Sag mal, wieso darf die Schufa denn überhaupt solche Projekte starten? Na wegen der tollen neuen EU-Richtlinie.

Das Gesetz macht es möglich, dass "Kontoinformationsdienste" Einblick auf die Konten der Kunden bekommen können.

Äh, warte mal, das kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich guck mal kurz ins Blogarchiv. Ein Leser schrieb mir damals:

ich arbeite auch bei einer Bank und möchte Deine Aussage korrigieren:

"Mit Kontoinformationsdienst ist die Schufa gemeint." Es ist gerade nicht die Schufa gemeint.

Leider hat dieses Memo die Schufa nicht gekriegt, denn im aktuellen Artikel lese ich völlig überraschend:

Im Jahr 2018 hat die Schufa ein solches Unternehmen gekauft. Der Finanzdienstleister Finapi GmbH ermögliche "den gesicherten Zugang zu derzeit 58 Millionen Endkunden-Konten", teilte die Schufa mit.

Ach nee! Na DAS ist ja mal eine gewaltige Überraschung! Hätte uns doch nur rechtzeitig jemand gewarnt!!1!

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Leserbrief:

bist du eigentlich sicher, daß das Bundesverwaltungsgericht heute über die Drohneneinsätze geurteilt hat? Oder daß Frankreich das Fotografieren von prügelnden Polizisten unter Strafe stellt? Ich kann dazu auf Spiegel Online nichts finden. Dafür gibt es dort auf der Startseite 8 Artikel über den Tod von Diego Maradona, darunter einen Live-Ticker. Vielleicht hast du einfach die falschen Prioritäten?

Seufz.

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Der Postillon liefert mal wieder: Erste Sophie-Scholl-Schule benennt sich in Jana-aus-Kassel-Schule um.

Ihr mutiger Einsatz gegen die Diktatur ist vielen eine Inspiration

Das kann man wohl sagen!

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Wie schlimm ist die Lage? So schlimm:

Sicily asks Cuba to send medics as Italy fights second Covid wave
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Das Bundesverwaltungsgericht findet, die Bundesregierung habe genug getan, um das Leben der Drohnenmordopfern der Amerikaner im Jemen zu schützen.

Oh, ja? Da muss ich gerade pinkeln gewesen sein, als die Bundesregierung etwas getan hat. Hat das zufällig jemand beobachtet? Was war denn das, was die Bundesregierung getan hat, um die Drohnenmorde der Amerikaner auch nur einzudämmen?

Komisch, ich finde auch gerade in der Presse nichts, was die Bundesregierung getan hat, um die Drohnenmorde der Amerikaner auch nur abzuflachen.

Da wäre mal ein Lockdown angesagt gewesen!

Hier ist, was die Richter sagten:

Die Leizpiger Richter zogen schon die Auffassung in Zweifel, dass durch die Nutzung von Ramstein als Relaystation für die Drohnenangriffe überhaupt ein "qualifizierter Bezug zum deutschen Staatsgebiet" entsteht.

Ja aber echt mal! Nur weil das Signal von Deutschland kommt, heißt das ja noch lange nicht, dass Deutschland beteiligt ist! Hey, wisst ihr, woher mit diese Argumentation bekannt vorkommt? Das ist die Weltraumtheorie 2.0!

Aber wartet, geht noch weiter.

Erstaunlich liest sich eine weitere Begründung der Leipziger Richter zur Fraglichkeit einer Schutzpflicht für die Bundesregierung. Die entstehe nämlich erst, „wenn aufgrund der Zahl und der Umstände bereits eingetretener Völkerrechtsverstöße konkret zu erwarten ist, dass es auch in Zukunft zu völkerrechtswidrigen Handlungen kommen wird, durch die grundrechtliche Schutzgüter beeinträchtigt oder gefährdet werden.“

Woher wissen wir denn eigentlich, dass die Leute an den Drohnen gestorben sind, und nicht bloß mit den Drohnen? Vielleicht hatten die vorher schon ein schwaches Herz!

Und nur weil die Amis seit zehn Jahren von Deutschland aus morden, heißt das ja nicht, dass sie auch morgen im gleichen Land weitermorden werden!

Ich habe den Eindruck, hier wurde schon die Argumentation vorweggenommen für die erste über Deutschland gesteuerte US-Atombombe, die ein Land pulverisiert. Ja gut, die ist vielleicht von Deutschland aus abgefeuert worden, aber das heißt ja nicht, dass die Amis dasselbe Land noch mal nuken werden!1!!

Wisst ihr was? Da finde ich ja die "Befehlsnotstand"-Ausrede der Nazis nach dem 2. Weltkrieg weniger anstößig als dieses peinliche Herumgewiesel. Tolles Land, in dem wir da wohnen.

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Infrastrukturapokalypse: AWS us-east-1 ist down. Keine Sorge, betrifft kaum jemanden.

Nach Angaben Amazons vom Mittwochabend sind folgende AWS-Dienste gestört: ACM, Amplify Console, API Gateway, AppMesh, AppStream2, AppSync, Athena, AWS Signer, Batch, CodeArtifact, CodeGuru Profiler, CodeGuru Reviewer, CloudFormation, CloudMap, CloudTrail, Cognito, Connect, DynamoDB, Elastic Beanstalk, EventBridge, Glue, IoT Services, Lambda, LEX, Macie, Managed Blockchain, Marketplace, MediaLive, MediaConvert, Personalize, RDS Performance Insights, Rekognition, Resource Groups, SageMaker, Support Console, Well Architected und Workspaces.

Das sind ... was, ca 3% der verfügbaren AWS-Lock-In-Dienste?

Erinnert ihr euch noch, warum wir alle in die Cloud sollten? Das sind Profis, Fefe! Die wissen, wie man sowas macht! Alles ordentlich redundant. Fachleute! Da fällt so gut wie nie was aus!!1!

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Burying-Alarm: In Frankreich ist das Filmen von Prügelcops jetzt strafbar. Das ist das neue Gesetz zur globalen Sicherheit. Denn klar, nichts ist so gut für die globale Sicherheit, als wenn man Verbrecher nicht verfolgen kann. Was der Bürger nicht weiß, das kratzt ihn nicht!

Wer hat DIE nochmal in die EU gelassen?

Wisst ihr noch damals? Als wir dachten, der Sarkozy sei schlimm? Gute Zeiten!

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Habt ihr das auch gehört? Krankenhäuser zeigen mehr freie Intensivbetten als tatsächlich da sind?

Stellt sich raus: Softwareproblem. Kann man nichts machen.

Wir haben mal ein Passwort vor die Statusseite gepackt. Die Anzeige hat die Bevölkerung verunsichert.

Update: Die Meldung ist von 2018. Ein Leser erklärt:

Das DIVI-Intensivregister ist weiterhin offen einzusehen.

Ist auch ein systematischer Unterschied:
Ivena: Programm für Rettungsdienst mit allen möglichen Ressourcen der Krankenhäuser in dem nur ganze Bereiche abgemeldet werden (und nur lokal beschränkt). (Quasi wie Opt-out)
DIVI-Intensivregister: Deutschlandweite Lösung, aber nur für die Intensivbetten bei der aber wirklich jeder einzelne Bettplatz gemeldet, inklusive Belegung (Quasi Opt-in)

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Wisst ihr, was mich ja seit Jahren aufregt? Wenn der Westen rumrennt und anderen Ländern Menschenrechtsverletzungen vorwirft, während die Nato Hochzeitsgesellschaften per Drohne und Joystick zerfetzt. Wenn der Westen anderen Ländern Vorhaltungen wegen der Pressefreiheit macht, während Julian Assange im Folter-Abschiebeknast sitzt.

Vor zwei Wochen gab es ein bemerkenswertes Interview in die Richtung. Da ist eine BBC-Reporterin nach Aserbaidschan gefahren und hat da den Präsidenten interviewt.

Aserbaidschan liegt am Kaspischen Meer zwischen Russland und dem Iran und hat als Nachbarn Armenien und Georgien. Mit Armenien ist Aserbaidschan im Krieg um Bergkarabach, da gab es ja diese Wochen auch wieder Nachrichten. Wenn man im Westen an Freiheit, Menschenrechte und Pressefreiheit denkt, kommt einem wahrscheinlich nicht als erstes Aserbaidschan in den Kopf.

Der Präsident ist der Sohn seines Amtsvorgängers, er fuhr bei der letzten Wahl 80% der Stimmen ein. Internationale Wahlbeobachter (u.a. OSZE) sprachen von Wahlfälschung und Einschüchterungsversuchen, sagt Wikipedia.

Da wird sich die BBC-Reporterin gedacht haben: Leichtes Ziel. Gehste hin, erwähnst ein bisschen Menschenrechtsverletzungen, haste Interview im Kasten. Zuhause applaudieren alle.

Aber der Präsident lässt sich so leicht nicht die Butter vom Brot nehmen. Hier ist das Video. Die Stelle mit der Pressefreiheit geht bei ca 19 Minuten los.

Der Präsident antwortet in auffallend gutem Englisch (man vergleiche mal mit sagen wir Oettinger) und bestreitet erstmal alles. Wir haben hier ganz viele NGOs und Presse und lassen die alle machen.

Die BBC so: Ja aber die Opposition wird doch unterdrückt!

Der Präsident so: Wen meinen Sie denn mit Opposition?

Die Frage ist nicht gänzlich unbegründet, denn was die BBC meinte war die armenische Minderheit. Mit denen befand sich Aserbaidschan zum Interviewzeitpunkt im Krieg und hatte auch Kriegsrecht ausgerufen. Kann man jetzt geteilter Meinung sein, ob man das als Opposition zählt. Das wäre wahrscheinlich wie wenn man den USA vorwürfe, die Opposition zu unterdrücken, weil sie einen aus ihrer Sicht islamistischen Terroristen an der Grenze verhaftet haben.

Der Präsident jedenfalls weiter: Bei uns haben 80% der Bevölkerung Zugang zum Internet, sagt er (Das hat mich überrascht. Da sind mehr als in Brandenburg!). Wie soll denn das gehen, fragt er, wenn 80% freien Internetzugang haben, da irgendwelche Meinungen zu unterdrücken?

Aber dann lässt er die eigentliche Bombe platzen, die die BBC-Frau offensichtlich überhaupt nicht kommen sah. Wenn wir schon über Pressefreiheit reden: Wie schätzen Sie denn die Situation mit Julian Assange ein? Wie lange musste der sich noch gleich in der Botschaft von Ecuador verstecken? Und wo ist der jetzt? Und wofür? Für journalistische Arbeit?

Ja nee, sagte die BBC, wir sind nicht hergekommen um über Julian Assange zu reden.

Ach? Ach was? Warum eigentlich nicht?

DAS muss weh tun, wenn man von einem Pseudodemokraten in Aserbaidschan vorgeführt bekommt, was man selbst eigentlich die letzten 10 Jahre mal hätte fragen müssen. Da bleibt kein Auge trocken!

Das Video wurde hochgeladen von AZERTAC, der staatlichen Aserbaidschanischen Nachrichtenagentur. Deren Slogan ist: Source of accurate and reliable news. Das ist eigentlich nie ein gutes Zeichen, wenn man das dazu sagen muss als Nachrichtenagentur :)

Der Konflikt zwischen Aserbaischan und Armenien endete übrigens nicht gut für Armenien. Die haben sich zwar auf einen Waffenstillstand geeinigt, aber erst nachdem Aserbaidschan in Armenien Land erobert hat. Daraufhin ist in Armenien der Oppositionsführer wegen angeblicher Mord- und Putschpläne gegen den Ministerpräsidenten festgenommen worden.

Die EU findet übrigens Aserbaidschan als Freund attraktiver als Armenien. Armenien ist bettelarm, Aserbaidschan hat Öl und eine Gaspipeline an Russland vorbei. Russland bemüht sich auch um gute Beziehungen zu Aserbaidschan.

Allerdings, nicht das mich hier jemand fehldeutet: Aserbaidschan ist auch unabhängig von der Frage, wer jetzt mit Opposition gemeint ist, nicht für Menschenrechte und Pressefreiheit bekannt. Die haben zwar die Europäische Menschenrechtskonvention ratifiziert aber lassen den Beobachter nicht ins Land, der die Einhaltung überwachen sollte. Reporter ohne Grenzen führt sie auf Platz 166 von 180 (Georgien: 60, Armenien: 61). Inhaltlich hat die BBC also mit ihren spitzen Fragen völlig Recht. Ist nur halt Scheiße, wenn man dann selbst nicht mit gutem Vorbild vorangegangen ist. Dann kann man da auch keine moralische Überlegenheit raushängen lassen. Vielleicht seht ihr das anders, aber mir ist das immer sehr wichtig, wenn ich Leute kritisiere.

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Noch ein Leserbrief zu Intensivbetten:

Ich arbeite u.A. auch auf einer Intensivstation in Norddeutschland. Wir haben 8 Betten, davon 6 Beatmungsplätze, welche mit dem zur Verfügung stehenden Personal (Pflege) eigentlich nicht bedienen sind. Häufig muss man ein Auge zudrücken, was geforderte Personalstärke auf einer Intensivstation angeht. (Patienten/Pfleger/Schicht < 2,5) Ein Stockwerk niedriger auf der Isolierstation gibt es seit April 6 weitere Beatmungsbetten. …so heißt es zumindest. Die Tür ist abgeschlossen, ich kenne niemanden, die sie gesehen hat und die etwa 12 Intensivpfleger, die man für die 6 Betten bräuchte wären mittlerweile wohl auch hinter dieser Tür verhungert.

Es nervt dadurch gelegentlich intensivpflichtige Patienten durch den Rettungsdienst zu bekommen, welche man eigentlich gar nicht adäquat versorgen kann. Man kann nach außen nämlich nicht kommunizieren, dass die Kapazitäten ausgelastet sind. Formal sind sie es nicht.

Schlussendlich werden wir die Patienten, die zu uns kommen schon versorgen, das aber trotz und nicht dank unserer Geschäftsleitung. Die hat vor wenigen Wochen unsere große Isolierstation (den "grünen" Bereich für Verdachtsfälle) zur geriatrischen Rehastation gemacht hat. Die Räumlichkeiten können so lukrativer genutzt werden (so wurde es sogar begründet).

Beatmete Covidfälle können wir gerade nicht adäquat isolieren. Das ist keine Meinung, das ist Fakt. Das zu ändern würde heißen elektive Operationen und damit eine Einnahmequelle auszusetzen, da man räumliche Umbaumaßnahmen auf der Intensivstation vornehmen müsste. Dann verliert man Bettenkapazität durch Schleusen, welche man für 90 jährige Hüften und so weiter braucht. Ein Schwesterklinikum, welches bisher die beatmungspflichtigen Patienten übernommen hat, hat die Zusammenarbeit an einem Samstag telefonisch eingestellt, ebenfalls um ihr Elektivprogramm nicht zu gefährden. Wirds haarig, ist sich halt jeder selbst der Nächste.

Die Empfehlung, dass Covidpatienten versorgende Personal nicht in Kontakt mit anderen Nicht Infizierten oder Personal aus anderen Abteilungen kommt, ist logischerweise nicht umsetzbar ohne mehr Personal einzusetzen. Dies ist nicht gewünscht. Aus Kostengründe müssen Überstunden abgebaut werden und nicht angesammelt. Ich ziehe mich z.B. auf der Isolierstation (ja die mit den nachgewiesen Infizierten) um, trinke dort meinen Kaffee und gehe danach auf eigentlich alle anderen Stationonen, incl. der Wöchnerinnenstation, um meine Patienten zu versorgen.

Coronatests werden aus Kostengründen beim Personal nicht regelmäßig durchgeführt, obwohl dies gefordert wird (ausgenommen nachgewiesener Kontakt Kategorie I (s.RKI) dann werden wir tatsächlich getestet).

Habe am letzten Woche eigenmächtig bei allem erkältetem Personal in meinem Arbeitsumfeld Schnelltests durchgeführt (Allesamt Kontaktpersonen Kategorie III). Sehe eine reelle Chance dafür noch Probleme zu bekommen, schließlich kostet ein Test erschreckende 6€ im Einkauf. Das war es mir aber wert.

Es macht aktuell einfach keinen Spaß meinen Job zu machen. Das frustriert meine Kollegen und mich. Viele fliehen jetzt mittelfristig in Arztpraxen oder melden sich krank. Hätten wir nicht alle so ein schräges Pflichtgefühl gegenüber den Patienten und verbliebenden Kollegen, obwohl wir am Ende des Tages nur einfache Arbeitnehmer sind, würden wir alle hinschmeißen.

Berentete Ärzte werden aktuell übrigens für die Impfzentren rekrutiert. Möchte ich, dass mein Vater so etwas macht, anstatt zu Hause sich im Social distancing zu üben?

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Schlechte Laune? Da hilft zuverlässig ein Blick zur Schlangenölbranche:

Eigentlich soll die Sicherheitslösung McAfee Endpoint Security (ENS) Windows Computer schützen. Aufgrund von drei Schwachstellen ist nun aber das Gegenteil der Fall.

No shit! Hätte uns doch nur vorher jemand gewarnt!

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Ah. Amerika. Home of the free. Land of the brave.

Tausende Texaner stehen Schlange, um sich für Thanksgiving Lebensmittel von einer Food Bank abzuholen.

Wie? Nein, nein, nicht 1930. 2020!

North Texas Food Bank (NTFB) distributed more than 600,000 pounds of food for about 25,000 people on Saturday, according to spokeswoman Anna Kurian.

Ist halt alles ein bisschen größer in den USA. Die Bevölkerung. Die Armut. Das Elend. Hier gibt es ein paar Luftbilder der Warteschlange. Natürlich alle in ihren Autos, klar. Amerika, fuck yeah!

Schon erstaunlich, dass die Geld übrig haben, um die Russen mit Kriegsschiffen zu provozieren, wenn zuhause die Leute verhungern.

Das muss dieser Kapitalismus sein, von dessen besonderer Eignung bei der Güterverteilung man immer liest.

Um das mal in Relation zu setzen: 25000 Menschen, das ist einmal die Größe von Schleswig. Ihr wisst schon, das Schleswig von Schleswig-Holstein. Oder Bad Honnef. Oder Kulmbach.

Update: Ich krieg jetzt Zuschriften wegen der Autos. Ignoriert mal die Autos. Das soll sie, das war u.a. wegen Corona sogar gewünscht, dass die nicht alle in einer Schlange stehen und sich gegenseitig anstecken. Und dass einige der Autos relativ neu aussehen liegt daran, dass die nach ihrer Entlassung aus ihren Leasingverträgen nicht rauskommen.

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Gaby Weber hat einen neuen Film gemacht, über die Covid-Strategien von Brasilien, Uruguay und Argentinien. Brasilien fuhr das eine Extrem ("ach watt, is bloß ein kleines Grippchen"), Argentinien das andere Extrem (fetten Lockdown mit Ausgehsperren). Uruguay fuhr das dritte Extrem und fuhr damit auffallend gut. Uruguay hatte, wie es Gaby ausdrückt, keine Restriktionen aber dafür eine gute medizinische Versorgung. Alle drei Länder sind wohlgemerkt auf der Südhalbkugel, d.h. die hatten gerade Winter, nicht wie wir Sommer. Eigentlich beste Voraussetzungen für eine Covid-Durchseuchung. Uruguay ist auch kein reiches Land.

Wieso sind die also nicht von Covid geplättet worden? Uruguay hat etwas über 3 Mio Einwohner.

Update: Ich krieg jetzt lauter Gegenwind, weil ich gesagt habe, Uruguay sei kein reiches Land. Das kommt auf die Perspektive an. Im Vergleich zu den Ländern außenrum ist Uruguay ein sehr reiches Land, es wird auch die Schweiz Südamerikas genannt. Ist es jetzt auch im Vergleich zu Europa reich? Das kommt auf das Vergleichsland an. Könnte man sicher anders sehen als ich.

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Habt ihr das auch gehört? Covid-Lockdown treibt die Menschen in den Selbstmord? Ganze Landstriche entvölkert?

Stellt sich raus: Sieht eher nach weniger Selbstmorden aus.

„In den Monaten Januar bis Juli 2020 gab es in Frankfurt im Vergleich zum Vorjahreszeit­raum einen Rückgang der absoluten Zahl der Suizide um 30 Prozent“, heißt es in einem Bericht des „Frankfurter Projekt zur Prävention von Suiziden mittels Evidenz-basierter Maßnahmen“ (FraPPE).

Nun gibt es an diesen Zahlen einige Punkte auszusetzen, z.B. dass sie nur aus Frankfurt am Main kommen (und nicht aus dem Umland und es keine bundesweiten Vergleichszahlen gibt). Dennoch. Eine gute Nachricht. Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich freue mich gerade über jede gute Nachricht und nehm die gerne rein.

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So jetzt ist aber Schluss. So geht das nicht weiter. Die Russen können nicht einfach weite Teile des Ozeans als ihr Hoheitsgebiet betrachten! Da schicken die Amis mal einen Raketenzerstörer hin. Die USS John McCain.

The guided-missile destroyer USS John S. McCain, based at Yokosuka, “asserted navigational rights and freedoms in the vicinity of Peter the Great Bay in the Sea of Japan,” with a freedom of navigation operation aimed at challenging Russia’s “excessive maritime claims,” Lt. Joe Keiley said in the statement.

Ja, meine Damen und Herren. Die Peter-der-Große-Bucht! Malerisch gelegen zwischen … ach wisst ihr was, seht selbst. Da zeigt ja schon der Name, dass die Gegend nichts, aber auch gar nichts mit den Russen zu tun hat! Was bilden die sich eigentlich ein! Nur weil da ein paar Inselchen sind, kann Russland das ja wohl nicht einfach so als ihr Hoheitsgebiet claimen!!1!

Ich bin mir sicher, die Amerikaner hätten auch kein Problem damit, wenn die Russen einen Raketenzerstörer bei New York platzieren würden. Hier zum Vergleich eine Karte in vergleichbarem Maßstab.

Ob die Amis in der Bucht Öl gefunden haben?

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Sagten wir, wir hätten Ketamin im Straßenwert von einer Milliarde beschlagnahmt?

Bedauerliches Missverständnis. Das war bloß Waschmittel.

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